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Opel-LogoVolvo P 1800 ES Rocket (1968)

Projekt P183, Jaktvagn, Faß, Barrel, Rakete, Rocket

Comm. 352

Seit Mitte der 60er-Jahre beschäftigte sich das Volvo-Designteam unter der Leitung von Jan Wilsgaard mit einem möglichen Nachfolger für den Volvo P 1800 S. Nach zahlreichen verworfenen Skizzen, Zeichnungen und Prototypen kristallisierten sich zwei Entwürfe für zweitürige Sport-Kombis heraus, die als „Beach Car“ und als „Jaktvagn“ (schwedisch = Jagdwagen) bezeichnet wurden.

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Entwurf für den Volvo Jagdwagen

 

 

 

 

Vom Jagdwagen wurde auch ein 1800 GT genanntes Tonmodell (Günther & Wolf 1998) mit zwei unterschiedlichen Seiten gefertigt, das später wegen seines charakteristischen Hecks auch als Faß bzw. Barrel oder Rakete bzw. Rocket bezeichnet wurde (Lindh 1984). Nach Styles (2001) handelt es sich jedoch beim Rocket um einen dritten Entwurf.

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Da sich die Volvo Führung unter Gunnar Engellau nicht für einen der beiden Vorschläge entscheiden konnte, entschied man sich 1968 zum Bau jeweils eines fahrbereiten Prototypen (Günther & Wolf 1998, Lichtenstein 2001). Ursprünglich sollte Pietro Frua beide Prototypen bauen. Später entschied man sich jedoch, um Zeit zu sparen, einen davon von der 1966 gegründeten Carrozzeria Coggiola des ehemaligen Frua-Mitarbeiters Sergio Coggiola (1928–1989) in Turin (Orbassano, I) bauen zu lassen (Robson 1983). Laut Styles (2001) erhielt Coggiola den Auftrag erst, nachdem Volvo den Rocket als zu futuristisch verworfen hatte. Für die gleichzeitige Auftragsvergabe spricht jedoch die Tatsache, dass beide Prototypen auf Bodengruppen des 1800 S entstanden, die sich nur um eine Stelle in der Fahrgestellnummer unterschieden.

Den Bau des von Volvos Design-Center entworfenen Prototypen „Rocket“ (Chassis-Nr. 26.142) übernahm das Studio Technico Pietro Frua, das ab Dezember 1957 bereits die ersten drei Prototypen für den P 1800 gefertigt hatte. Die Form der Seitenfenster entsprach der leicht modifizierten rechten Seite des Tonmodells.

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Der von Frua gebaute metallic blaue Prototyp mit roter Leder-Innenausstattung kam nach den Tests mit einem Tachometerstand von ca. 25.000 km in die Volvo Pototypen-Sammlung und ist heute im Volvo-Museum in Göteborg (S) ausgestellt.

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Der ebenfalls von Volvos Design-Center entworfenen Prototyp „Beach Car“ (Chassis-Nr. 26.143) wurde von Coggiola gefertigt. Ein Foto des Prototypen mit zur Lackierung abgeklebten Fenstern wurde im Dezember 1968 in Coggiolas Werkstatt aufgenommen (Lindh 1984, Styles 2001).

Die Entscheidung fiel zur Serienfertigung des bei Coggiola gebauten, bereits sehr seriennahen Beach Car. Ab August 1971 wurde er als Volvo P 1800 ES produziert. Schon bald wurde er wegen seiner rahmenlosen Heckklappe aus Glas im Volksmund „Schneewittchensarg“ genannt. Der metallic goldene Coggiola-Prototyp mit brauner Velours-Innenausstattung wurde von einem Volvo-Mitarbeiter nach der Testzeit weitergefahren und befindet sich seit 14.3.1977 in Deutschland. (Günther & Wolf 1998 basierend auf Recherchen von Albert Lauw)

Die gegenteilige Darstellung von Lichtenstein (2001), nach der der Beach Car von Frua und der Rocket von Coggiola gebaut wurde, ist nicht zutreffend.

Das Heckdesign des Volvo P 1800 ES Rocket wurde 1975 von Bob Gittleman für den von Robert „Bob“ Jankle (Panther Westwinds Ltd.), Byfleet (Surrey, GB), als Einzelanfertigung gebauten Ferrari 365 GTB/4 Daytona Station Wagon (# 15275) aufgegriffen.

Technische Daten

Basisfahrzeug

Volvo P 1800 S (Bauzeit 1963–1968)

Motor

Vornliegender, wassergekühlter 4-Zylinder-Reihenmotor, untenliegende, über Stirnräder angetriebene Nockenwelle, 5-fach gelagerte Kurbelwelle, 2 Flachstromvergaser (S.U.)

Bohrung x Hub

88,9 x 80 mm, Kompressionsverhältnis 10,0:1

Hubraum

1.986 cm³

Leistung

103 DIN-PS bei 5.600 U/min

max. Drehmoment

15,0 mkg (DIN) bei 3.800 U/min

Leistungsgewicht

ca. 10,4 kg/PS

Kraftübertragung

hydraulisch betätigte Einscheibentrockenkupplung mit Scheibenfeder, 4-Gang-Getriebe mit Overdrive, Hinterradantrieb

Vorderachse

Einzelradaufhängung mit Trapez-Dreiecksquerlenkern, Schraubenfedern, Kurvenstabilisator und hydraulischen Teleskop-Stoßdämpfer, Lenkung mit Schnecke und Rolle

Hinterachse

Starrachse mit Längslenkern, Längsschubstreben, Schraubenfedern, Panhardstab und hydraulischen Teleskop-Stoßdämpfern

Bremsen

hydraulisch betätigte Vierradbremse, vorn Scheibenbremsen, hinten Trommelbremsen

Karosserie

Fahrgestellnr. 26.142
selbsttragende Karosserie

Länge x Breite x Höhe

(Basisfahrzeug: 4.350 x 1.700 x 1.285 mm); Radstand: 2.450 mm

Leergewicht

(Basisfahrzeug: 1.070 kg)

Höchstgeschwindigkeit

(Basisfahrzeug: 175 km/h)

Verbrauch

(Basisfahrzeug: 9–12 Liter pro 100 km)

Bauzeit

1968

Stückzahl

1